Zwei besondere Jahre für den Tübinger Mädchenbasketball
weibliche U15 mischt wieder mit im Konzert der Großen – Sieg gegen DJK/SB Ulm beschert Qualifikation für die Baden-Württembergischen Meisterschaften
Geschafft! Gefühlt ist es eine Unendlichkeit, dass letztmals eine Tübinger Mädchenmannschaft um die Baden-Württembergischen Meisterschaften im Basketball spielen konnte; jetzt ist es endlich wieder so weit. Die weibliche U15 des SV 03 Tübingen hat es geschafft, im letzten, alles entscheidenden Spiel gegen die punktgleiche DJK/SB Ulm einen völlig verdienten 42:25 Sieg zu landen und vertritt schon nächstes Wochenende die heimischen Farben beim Landesfinale in Albstadt.
Die Freude bei den Mädchen, ihren Trainern und Eltern ist unbeschreiblich. Musste man sich vergangene Saison noch mit Platz 3 bei den Württembergischen Meisterschaften zufrieden geben und neidlos anerkennen, dass die eigene Leistung noch nicht ausreichte, um die beiden überragenden Teams aus Ulm und Ludwigsburg in Verlegenheit zu bringen, hat man jetzt endlich die Gewissheit, den nächsten Schritt geschafft zu haben. Das Abschneiden darf als unmissverständliches Indiz dafür verstanden werden, wie gut es Mannschaft und Trainer verstanden haben, die Zeit offenbar besser als ihre Konkurrenz zu nutzen und der ersten gemeinsamen Spielzeit, eine weitere, noch erfolgreichere folgen zu lassen. Geschuldet ist diese besondere Situation auch der Tatsache, dass der Deutsche Basketball Bund die Altersklassen im weiblichen Nachwuchsbereich völlig neu strukturierte. So wurde aus der U14 der Saison 2008/2009 im laufenden Spieljahr eine U15.
Auf den ersten Blick scheint es so, als wäre eine solche Neuordnung nicht weiter erwähnenswert. Doch weit gefehlt: die Chance, gemeinsam unter nahezu gleichen personellen Rahmenbedingungen über zwei Jahre hinweg kontinuierlich trainieren und spielen zu können, war für die Spielerinnen und Trainer der weiblichen U15 des SV 03 Tübingen ein absoluter Glücksfall. Als im Mai 2008 der Startschuss fiel, traf sich eine Gruppe von Mädchen, deren basketballerischen Interessen und Vorerfahrungen unterschiedlicher nicht hätten sein können. Zwei Jahre später präsentiert sich eine Mannschaft gespickt mit individuellen Talenten und einem Teamspirit, wie er bei Mädchen in diesem Alter seines Gleichen sucht.
Das Erfolgsrezept für diese Metamorphose erscheint schrecklich einfach: sportlich zeigten kontinuierliche, konzentrierte Trainingsarbeit, individuelle Förderung und der regelmäßige Wettbewerb die gewünschte Wirkung. Wenn dabei dann auch der Spaß, gegenseitiger Respekt sowie gemeinschaftliches Denken und Handeln nicht zu kurz kommen, entwickelt sich darüber hinaus die oft zitierte „Chemie“, die eine erfolgreiche Mannschaft ausmacht. Jeder Spielerin ist dabei deutlich vor Augen geführt worden, wie wichtig sie persönlich für dieses Team und seinen Erfolg ist.
Der Weg zurück in die Leistungsspitze ist also letztlich eine Symbiose der drei großen „T’s“: Training, Talent und Team. Das Training war die Aufgabe des Coach-Gespanns Bettina Renner und Dirk Lehmann. Sie hatten gemeinsam das sportliche Sagen und präsentierten ihren Spielerinnen ein abwechslungsreiches, zielorientiertes Training, das seine Stärken in einer alters- und leistungsgerechten sowie langfristigen und kontinuierlichen Konzeption hatte. So gefördert, trat das Talent der Mädchen offenkundig an den Tag. Der Kader des SV 03 Tübingen umfasst mit Annika Kokott (WNBL in Ludwigsburg), Felicia Württemberger (ehm. 95er BBW Kader) sowie den drei aktuellen 97er BBW-Auswahlspielerinnen Franca Müller, Ronja Kokott und Franziska Habfast gleich fünf Spielerinnen, die in ihren jeweiligen Jahrgängen mittlerweile soviel Klasse haben, dass sie auch auf Verbandsebene zu den Stärksten ihres Alters zählen.
Garant des Erfolges war aber stets das Team. Sportlich ist es der Mannschaft mit der Zeit immer besser gelungen, die individuellen Stärken gewinnbringend einzusetzen und Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen. Auch abseits des Spielfeldes war der Teamgedanke stets präsent. Hierzu beigetragen haben im besonderen Maße auch die Eltern, die diesem Teams stets unterstützend zur Seite standen und damit den jungen Sportlerinnen die benötigte Anerkennung zu Teil werden ließen. Die Qualifikation für die Baden-Württembergischen Meisterschaften ist jetzt der verdiente Lohn für alle diese Bemühungen. Das gemeinsame Wochenende in der Landessportschule Albstadt wird für dieses Team – unabhängig vom sportlichen Abschneiden – ganz sicher zu einem unvergesslichen Wochenende werden und eine Platzierung unter den Top 4 auf Landesebene ist ganz sicher mehr, als die größten Optimisten vor der Saison erwartet hätten.
Neben aller Euphorie und Freude, macht sich nach dem letzten Hauptrundenspieltag aber auch eine gehörige Portion Wehmut breit. Diese sportlich und menschlich so erfolgreiche Gemeinschaft, wird es in der kommenden Saison schon nicht mehr geben. Im Jugendbereich anfürsich keine ungewöhnliche Situation, dass nach einer Spielzeit Spielerinnen in die nächst höhere Altersklasse aufrutschen und jüngere von unten dazustoßen, aber im speziellen Fall und vor dem Hintergrund, dass Mannschaft und Trainer in dieser Konstellation jetzt nahezu 24 gemeinsame Trainingsmonate absolviert haben, lässt sich auch in der Stunde des Erfolges das ein oder andere traurige Gesicht durchaus verstehen.
Darüber hinaus wird das Trainerteam sein Engagement beim SV 03 Tübingen nicht verlängern und den Verein zum Saisonende verlassen. Bettina Renner war früher selbst Spielerin der Regionalliga Damen und hat in dieser Zeit als Trainerin der wU12 einige Spielerinnen bereits bei ihren allerersten Basketballversuchen begleitet. Sie wird ebenso wie Dirk Lehmann, der auf eine nunmehr sechsjährige Tätigkeit im Damen- und weiblichen Nachwuchsbereich zurückblicken kann und hauptverantwortlich für die Organisation und Durchführung der beliebten Girls-Camps war, dem SV 03 nächste Saison nicht mehr zur Verfügung stehen.
Die Abteilungsleitung des SV 03 Tübingen kündigt für die kommenden Jahre einen frischen Wind im weiblichen Nachwuchsbereich an. Ob es dessen tatsächlich bedarf, wird sich zeigen, denn schon jetzt wehte den Gegnern meist eine steife Briese entgegen. Nach nur zwei Jahren kontinuierlicher, engagierter Arbeit haben sich die Mädchen des SV 03 Tübingen eindrucksvoll in der württembergischen Spitze zurückgemeldet. Jetzt gilt es, den Weg raus es dem Schattendasein und hinein in eine erfolgreiche Zukunft konsequent und zielstrebig weiter zu beschreiten.